Bild_6.jpg

Abb.: Hier wurde nach der Montage der Dämmplatten und Putzträgergitter 4cm Mineralputz aufgebracht. Mit den Färbelungsarbeiten war die Sanierung des letzten Objekts im Fagus-Werk in Alfeld, (das sogenannte "Trockenhaus"), zeitgerecht zur EXPO 2000 in Hannover, abgeschlossen gewesen. (Es war eines deren Rahmenprogramme). Das vom berühmten Architekten Gropius geplante und ab 1911 erbaute Baudenkmal, heute Weltkulturerbe, gilt als erster Industriebau der Moderne.

Hängeputz-Fassaden-System

Herausragendes Merkmal ist das Befestigungssystem: die typische Drahthängeanker-Technik ermöglicht die Kombination Faserdämmstoff (als Platten) mit Putzschale aus klassischem, dicklagigem Mineralmörtel. Das begründet die Generation des „lasttragenden Dämm-Putz-Fassadensystems“. Dessen Eigenschaftsbild ist jenem des „zweischaligen Mauerwerks mit Kerndämmung“ verwandt. (Mit dem Unterschied, dass hier die Vorsatzschale kein Fundament erfordert). Dementsprechend gehen die Vorteile weit über das mit Wärmedämmverbundsystemen Erzielbare hinaus. Eggert hat diese Fassadengeneration Ende der 1980er Jahre eigeninitiativ geschaffen um sie später Dritten zu übertragen. Ab 1989 lieferte SERA Komponenten für das thermische Verbessern einer Reihe von Referenzgebäuden die heute den beeindruckenden, technischen Erfolg dokumentieren.

 

Dennoch blieben Qualitäten dieses Systems z.B. in Hinblick auf Schallschutz, Brandschutz oder Denkmalschutz bis heute weitgehend unerkannt. Nun aber eröffnet es hinsichtlich der Forderung nach der begrünten Fassade neue, bestechend einfache Lösungswege für bodengebundene Kletterpflanzen. Mineralputzoberflächen bieten sich ja als pflanzenfreundliche Kletterhilfen an.

 

Hinsichtlich Untergrund-Beschaffenheit ist das System für Holz-, Mauer- und Blechwände geeignet, in der Sanierung sogar für ungereinigte, durchaus etwas schadhafte Altputze.

 

Konzipiert ist das System für formbeständige Faserdämmstoffplatten (anorganische wie organische). Hohe Dämmschichtdicken sind gut beherrschbar. Die Dämmschicht ist spannungsfrei weil sie keine tragende Funktion hat.

 

Die Drahthängeanker befestigen die Putzschale nur über Zugkräfte und direkt an der Gebäudewand – also statisch ideal und wärmebrückenarm. Diese Kräfte sind von der Ankerlänge / Dämmschichtdicke unabhängig bzw. gleichbleibend. Die Putzschale ist fixpunktfrei, quasi schwimmend befestigt.

 

Die diffusionsoffene Putzschale weist vorzugsweise Stärken ab 3 cm auf. „Maßgeschneiderte“ Eigenschaften sind durch Mörtelzusammensetzung wie auch durch Verarbeitung erzielbar (Putzstruktur / Fassadenschmuck / Intarsienputz etc.). Erwärmungen durch Sonneneinstrahlung bzw. so verursachte thermische Putzspannungen sind wegen der Speichermasse geringer als bei WDVS. Kondensat bzw. Algenbildung werden auf natürliche Weise verhindert. Die Tragfähigkeit der Putzschale erlaubt Applikationen aus Putzkörpern, Fliesen, Klinker, etc. Klopfen auf den Putz ergibt kein Hohlklingen.

 

Das System ist verbundfrei. Daraus ergibt sich eine einfache Trennung vom Dämmstoff im Rückbaufall.